Observation am Arbeitsplatz

Ein junger Mann, nennen wir ihn Rolf, erzählt Arbeitskollegin Heidi von seinem Ärger über den Chef. Seit Wochen hegt dieser den Verdacht, dass Rolf während der Arbeitszeit privat im Internet surft - und dies nicht zu knapp. Um seinen Verdacht zu erhärten, lässt der Chef während einer Mittagspause ein Spionage-Programm auf Rolfs Computer installieren, um so die Nutzung des PC heimlich überwachen zu können.

Das Ergebnis der Auswertung veranlasst den Arbeitgeber zur fristlosen Kündigung. Überrumpelt von den Ereignissen wendet sich Rolf hilfesuchend an die Juristin G. Sie kann ihn rasch beruhigen. Die Überwachung seines Computers mit einem Spyware-Programm kontrolliere im Wesentlichen sein Verhalten am Arbeitsplatz. Dies verstosse gegen einschlägige Normen des Arbeitsrechts: Die so gewonnenen Erkenntnisse könnten in einem gerichtlichen Verfahren nicht als Beweismittel verwendet werden.

Ich berate und vertrete Arbeitgeber und Arbeitnehmer in allen Fragen des Arbeitsrechts und des öffentlichen Personalrechts.

Es gibt doch nichts, auf dem soviel Verführung und soviel Fluch liegt wie auf einem Geheimnis.
Søren Aabye Kierkegaard, dänischer Philosoph, Theologe und Schriftsteller

Nach Arbeitsgesetz (Art. 15 ArG und Art. 18 ArGV 1) muss die Arbeit durch Pausen unterbrochen werden. Die um die Mitte der Arbeitszeit anzusetzenden Pausen betragen:
15 Minuten, dauert die Arbeit mehr als 5.5 Stunden
30 Minuten, dauert die Arbeit mehr als 7 Stunden
60 Minuten, dauert die Arbeit mehr als 9 Stunden
Pausen von mehr als 30 Minuten dürfen aufgeteilt werden.
Dem Grundsatz in Art. 2 der Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz folgend, hat der Arbeitgeber alle Massnahmen zu treffen, die nötig sind, um den Gesundheitsschutz zu wahren. Er hat insbesondere kompensatorische Massnahmen für Arbeitnehmende an ständigen Arbeitsplätzen ohne Tageslicht zu schaffen. Das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich (VB.2013.00138) hat mit seinem rechtskräftigen Entscheid vom 18.09.2013 betreffend Arbeitsplätze im UG von Shop Ville-Railcity Zürich unter anderem festgehalten: Bei die Auflage an die Migros, den betoffenen Arbeitnehmenden zusätzliche bezahlte Pausen von 20 Minuten pro Halbtag mit Sicht ins Freie zu gewähren, ist geeignet und verhältnismässig.
In Übereinstimmung mit Art. 330a OR können Arbeitnehmende vom Arbeitgeber jederzeit ein Zeugnis (ein Zwischenzeugnis während des Arbeitsverhältnisses und ein Arbeitszeugnis bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses) oder eine Arbeitsbestätigung verlangen. Ein Arbeitszeugnis umfasst folgende Angaben:
- Personalien
- Dauer des Vertragsverhältnisses
- Position und Funktion im Unternehmen
- Fachwissen und Qualifikation der Leistung, i.d.R. mit Gesamtbeurteilung
- Beurteilung des Verhaltens
- Grundsätzlich Angaben zum Austritt
Bei der Ausstellung des Arbeitszeugnisses sind insbesondere die Grundsätze der Wahrheit, der Klarheit, der Vollständigkeit sowie des Wohlwollens zu beachten (BGE 136 III 510 E.4.1). Klar unzulässig ist die Verwendung von Geheimcodes. Eine Codierung würde gegen das Gebot der Klarheit und den Grundsatz von Treu und Glauben verstossen. Die überflüssige Anmerkung im Zeugnis, das Dokument sei „nicht codiert“, macht nicht nur keinen Sinn, sie könnte sogar Misstrauen hervorrufen. Viele Arbeitgebende verzichten deshalb bewusst auf den Hinweis, dass Zeugnisse uncodiert ausgestellt werden.